Museumslandschaften | Gerhard Mayer

 

 

Jahresausstellung des Kunstvereins Bamberg e.V.

 

30. September bis 11. November 2018

 

 

Vernissage Samstag 29.09. 18 Uhr

 


Stadtgalerie Bamberg – Villa Dessauer

Hainstr.
4a,  96047 Bamberg

Do-So  u. feiertags  12-18

 

 

Führungen: Sa 6.10.

                    So 28.10 und 4.11.

                    jeweils 15 Uhr

 

So 21.10. 15 Uhr Nora Gomringer im Gespräch mit Gerhard Mayer

 

 

 

So viel Katastrophen gab es nie: Terrorismus, Kriege, Naturkatastrophen und kosmische Phänomene liefern ein tägliches Bedrohungsszenario. Und nun auch in der Stadtgalerie Villa Dessauer: eine entfesselte Natur mit tosenden Wasserbergen oder glühenden Feuersbrünsten lässt unsere gesamte Museumslandschaft untergehen. Gerhard Mayers großformatige Aquarelle offenbaren das ganze Drama:  Das MoMA in San Francisco wird von Eisschollen eingefroren – Caspar David Friedrichs Eismeer lässt grüßen -, das Metropolitan Museum, New York, wird gar kaleidoskopartig in fremde Welten aufgefaltet und auch die Bamberger Villa Dessauer bleibt nicht verschont, ein riesiger Meteorit droht in den nächsten Sekunden auf das Gebäude stürzen. Reißerische Motive und grelle Farborgien nähern sich bisweilen dem Abgrund zum „Kitsch“  - ohne abzustürzen - , zumal wenn die Flammenhölle das Neue Museum in Nürnberg erfasst und das als Puzzlebild!

Gerhard Mayer ist international bekannt geworden durch seine systematischen Zeichnungen – etwa im Neuen Museum in Nürnberg -, die - basierend auf einem strengen Regelwerk - aus Elementarteilen zusammengesetzt, fließende Räume bilden. In seiner jüngsten Werkreihe kehrt er zu malerischen Positionen zurück und thematisiert "Museumslandschaften". Die erhabenen Kunsttempel der Moderne stehen im Focus! Entgegen ihrer öffentlichen Wertschätzung gehen sie hier auf vielfältige Weise allerdings einem unausweichlichen katastrophalen Ende entgegen.

 

Nicht erst in unserer globalen Mediengesellschaft werden solche Bilder verbreitet; schon seit vielen Jahrhunderten waren Künstler von Schreckensszenarien fasziniert und verarbeiteten sie in ihrer Kunst. Gerhard Mayers Inspirationsquellen liegen vor allem bei den filmischen Dystopien, die bereits eine lange Tradition haben. Das Spektakuläre und Sensationelle war immer fester Bestandteil der Filmtradition, Science fiction - und Katastrophenfilme liefern dem Künstler perfekte visuelle Anregungen für theatralische Untergangsdesaster.

 

Als Künstler hat Gerhard Mayer durchaus eine enge emotionale Beziehung zum Thema Museum, sieht aber auch die gegenwärtige Krise dieser Prestige-Bauten, die stellvertretend für die gesamte kulturpolitische Situation stehen. Hieran entzündet sich der Prozess der Fiktionalisierung: die Angriffe auf unser hohes Kulturgut sind rein imaginär, eröffnen aber ein neues Blickfeld, fernab der historisch gewordenen Zerstörungswut der frühen Avantgarden.  Mayers fiktionale Entwürfe operieren im Modus des ironisch spielerischen, des ästhetischen Experiments, die Grenze zum Modus des verbotenen Ernstfalls wird nicht überschritten.

 

 

 

 

Impressionen von der Eröffnung, Fotos Frank Nickley

Bilder von der Vernissage, Fotos Ulrich Kahle