AKTUELLES

Dieter Froelich

"Großes Bamberger Gewölk und weitere notwendige Plastik" (1989-2022)

 

21. Mai - 3. Juli 2022


Eröffnung: 20. Mai 2022, 19 Uhr
Vortrag "Kochen als Kunstgattung": 30. Juni 2022 (Uhrzeit wird noch bekannt gegeben)

 

Kunstverein Bamberg

in der Stadtgalerie Villa Dessauer
Hainstraße 4a

96047 Bamberg

 

 Do-So 12-18 Uhr

Abb. Dieter Froelich

Über die Ausstellung

 

Der Kunstverein Bamberg gibt mit der Ausstellung "Großes Bamberger Gewölk und weitere notwendige Plastik" einen Einblick in das umfassende Schaffen des Plastikers Dieter Froelich. In den zwölf Räumen der Stadtgalerie Bamberg - Villa Dessauer werden Plastiken der vergangenen drei Jahrzehnte präsentiert.

 

Als Stipendiat des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia verbrachte der in Hannover lebende Froelich die Zeit von Mai 2021 bis März 2022 in Bamberg. Hier inspirierten ihn die vergoldeten Barockwölkchen an den Nebenaltären der »Oberen Pfarre« zu seiner Werkgruppe des »Bamberger Gewölks«.

  

Anhand dieser Gruppe von Plastiken lässt sich auch das Wesen der Froelichschen Werke gut verdeutlichen: immer wieder zeigt er uns Dinge, die bereits in irgendeiner Form vorhanden sind. Wir meinen die Dinge zu kennen und doch entwickelt sich durch Froelichs plastischen und ideellen Nachvollzug eine über das Ding hinausgehende, neue und andersartige Wesenheit. Jene Alterität, die »mir gegenübertritt und mir als Anderes etwas ermöglicht: Subjektivität, das Vermögen, versöhnt mit einer Welt sein zu können, die ich nicht kenne.« (Harald Welzer über Froelichs Werk)

 

Der 1959 geborene Froelich studierte an der Städelschule in Frankfurt am Main. Dort besuchte der Meisterschüler des Bildhauers Michael Croissant auch die mittlerweile legendären Kochseminare von Peter Kubelka.

 

In diesem Sinne ist ein weiterer wesentlicher Aspekt seines plastischen Werkes die von ihm 2003 gegründete »Restauration a.a.O.« (am angegebenen Ort). Im Rahmen dieser konzeptuellen Koch-Kunst-Unternehmung vermittelt er seine Kochphilosophie in Vorträgen, Seminaren, Gastmahlen und Publikationen. Als Vertreter einer puristischen kulinarischen Praxis beschäftigt sich Froelich vor allem mit dem »Ungekünstelten einer alltagsweltlichen Kulinarik«.

 

Im Rahmen der Ausstellung des Kunstvereins Bamberg wird Froelich am 30.6. einen Vortrag zum Thema "Kochen als Kunstgattung" halten. Und es wird nicht bei der Theorie bleiben: nach dem Vortrag serviert Froelich eine Speise. (Anmeldung erforderlich. Näheres demnächst auf dieser Seite)

 

Eine ausführliche Biografie, Bibliografie und ein Ausstellungsverzeichnis finden sich unter www.dieterfroelich.de

 

Zahlreiche Veranstaltungen der Restauration a.a.O. sind dokumentiert unter www.restauration-a-a-o.de 

 

Abbildungen © Dieter Froelich VG-Bild Kunst

Mit Unterstützung des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia

erscheint zur Ausstellung eine Publikation in Form von 100 Bildkarten in einer Box.

Dieter Foelich in Folge 7 von Die Sendung Mit Der Kunst!, eine Produktion des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia.

 

Zeitregen  -  Bettina Scholz und Jochen Plogsties 2. April - 15. Mai 2022

 

*** VERLÄNGERT BIS 29. MAI !! ***

 

Am Samstag, den 7. Mai findet um 18 Uhr ein Künstlergespräch zwischen Bettina Scholz, Jochen Plogsties und dem Kurator und Autor Michael Stoeber statt!

 

Kunstraum Kesselhaus
Untere Sandstraße 42 (Eingang vom Leinritt)
Fr 15-18 Uhr, Sa, So und feiertags 11-18 Uhr

 

Eintritt frei!

 

Links: Bettina Scholz, Werefkins Wald, 120 x 100, Pastell, Öl und Tusche auf MDF und Acrylglas, 2021 Rechts: Jochen Plogsties, 2_20 [Sibylle von Kleve als Braut] [Nach: Lucas Cranach der Ältere, Prinzessin Sibylle von Kleve als Braut, 55 × 37 cm, Öl auf Holz, nach 1526, Schlossmuseum, Weimar. In: Eberhard Ruhmer, Cranach, London 1963, Tafel 19.] 260 × 200 cm, Öl auf Leinen, 2020

ZEITREGEN

Zeit und Regen, beide können sowohl heftig als auch zärtlich sein. Beide sind immer Anlass für Veränderungsprozesse. Verwandlung, Wahrnehmung und die weltverändernde Kraft der Fiktion sind die Themen, um die die Ausstellung Zeitregen kreist. Die Bilder von Jochen Plogsties und Bettina Scholz ermöglichen uns sekundenschnelle gedankliche Sprünge in verschiedene Zeiten und Epochen.

 

Die stark farbigen Glasbilder und rätselhaften Objekte von Bettina Scholz scheinen die visuellen Ideen des Abstrakten Expressionismus mit sakralen Bildentwürfen und Science-Fiction Szenarien zu kreuzen. Ihre Inspirationen aus Literatur, Mythologie, Film und Musik bezeichnet sie als Wahlverwandtschaften, als ein geistiges Kollektiv, das ihre eigene Arbeit wie eine Familie begleitet oder sogar bedingt. So finden fratzenhafte Wasserspeier, die geisterabwehrend auf den Dächern der gotischen Kathedralen sitzen, ebenso Eingang in ihre Bilder, wie Gedichte von Gertrude Stein oder elektronische Musik aus der Clubkultur der Großstädte. Für die Ausstellung in Bamberg formte sie Blattmasken aus Ton, die Bezug nehmen zu der berühmten Blattmaske des Bamberger Reiters, aber auch zur zeitgenössischen Fantasy wie der Serie „Game of Thrones“.

 

Jochen Plogsties Malerei reist ebenso durch Zeit und Raum, mit augenscheinlich anderen Mitteln. Er malt Bilder von Bildern – seine Quellen sind altmeisterliche Ikonen, Hauptwerke verschiedenster kunsthistorischer Epochen oder Darstellungen aus Magazinen. Seine Malerei hat eine offene, durchlässige Struktur, in der wir immer nur fast etwas greifen können, das dann im nächsten Moment wieder zu verschwinden scheint. „Eine Frau sitzt mit aufrechter Haltung in einem Säulengang. Das grüne Kleid fließt an ihrem Körper herab, das Gesicht nur skizzenhaft, aber ihre stolze Ausstrahlung wirkt mit ganzer Kraft. Es ist das Bild einer Königin. Auf einer anderen Leinwand wölbt sich eine Holzbrücke im grünen Farbenmeer. Darunter Seerosen, Flecken in pulsierendem Bunt. Was sehen wir, was haben wir wiedererkannt? Greta Thunberg und Monet? Es sind Affekte mit denen Jochen Plogsties spielt – bewusste Assoziationen. Die Vorbilder (…) sind Anleihen, die in etwas Eigenes, vollkommen autarkes verselbständigt werden. Die erste Impression wird zur Auflösung getrieben und in verschiedene Ebenen des Raums, der Zeit und des Seins aufgefächert.“ (Textauszug Laura Gerstmann)

 

Als Antipoden treffen die künstlerischen Positionen von Bettina Scholz und Jochen Plogsties in Zeitregen aufeinander. Gegensätzlicher kann die Wahl der malerischen Mittel kaum sein. Es verbindet sie jedoch ein assoziativer Umgang mit Realität, in der Zeit und Raum nicht linear erscheinen und in der Ur-Altes mit ganz Neuem gleichzeitig gedacht werden kann.

Bettina Scholz wurde 1979 in Neuruppin/Brandenburg geboren; sie lebt und arbeitet in Berlin. Von 2006 -2012 hat sie Malerei/Freie Kunst an der Kunsthochschule Berlin Weissensee und am Chelsea College of Art in London studiert und 2012 als Meisterschülerin in der Klasse von Antje Majewski abgeschlossen. Ihre Arbeiten wurden in den letzten Jahren u.a. in der Kunsthalle Rotterdam, den Deichtorhallen Hamburg, dem Künstlerhaus Bethanien Berlin und bei SETAREH Düsseldorf gezeigt. Sie sind in der Sammlung Wemhöner Berlin vertreten, sowie in Privatsammlungen in Deutschland und Europa. Seit November 2021 ist Bettina Scholz Professorin für Malerei an der Alanus Hochschule/ Studienzentrum Mannheim.

Arbeiten von Bettina Scholz, Fotos © Jensen

Jochen Plogsties wurde 1974 in Cochem an der Mosel geboren; er lebt und arbeitet in Leipzig.

Von 1999 bis 2003 studierte er Malerei bei Friedemann Hahn an der Kunsthochschule Mainz, von 2003 bis 2006 bei Arno Rink an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. 2008 beendete er sein Meisterschülerstudium bei Neo Rauch. 2009 hatte er ein Stipendium am ISCP in New York. 2011 erhielt er den Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung begleitet von einer Einzelausstellung im Museum der bildenden Künste, Leipzig. Weitere wichtige Einzelausstellungen: 2014 „Küsse am Nachmittag“ in der Kestnergesellschaft, Hannover. 2018 „Only Lovers Left Alive“ im Collectors Room, Hamburg. 2019 „Yang Chen“ im Brandenburgischen Landesmuseum für Moderne Kunst, Frankfurt an der Oder. 2021 „Vor Tizian nach Monet“ in der MEWO Kunsthalle in Memmingen.

 

Arbeiten von Jochen Plogsties, Fotos © Jensen

Fotos vom Aufbau © Jensen