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»KUNSTVEREIN IM THEATERTREFF«

am Mittwoch, 28.5. um 19 Uhr

Der Vortragstitel von Richard Wientzek (Volker Hinniger-Preisträger 2008)
lautet „Dürer und der Supermarkt“.

Wientzek hat in Bamberg und Amsterdam Kunstgeschichte, Germanistik und Niederlandistik studiert und sich vor allem mit der Malerei Alter Meister und der Romantik auseinandergesetzt.  Anhand von Bildbeispielen wird er zeigen, wie sich dies in seiner aktuellen künstlerischen Arbeit widerspiegelt, in der er der Bildwürdigkeit des Alltäglichen nachspürt. Einen Überblick über sein Werk wird
vom 26.4.-1.6. 2008 in der Stadtgalerie Bamberg Villa Dessauer gezeigt.



Der neue Vorstand des Kunstvereins Bamberg e.V. mit dem Künstler Richard Wientzek:
v.l.n.r. Vorstandsmitglied Dietlinde Schunk-Assenmacher, Richard Wientzek,
Vorstandsmitglied Dr. Ingrid Huther-Thor, Kunstvereins-Vorsitzende Annelie Grimm-Beickert,
2. Vorsitzende und Schriftführerin Walli Bauer und Schatzmeisterin Inge Buhl.



»Was nicht an den Wänden hängt«

Der „Kunstverein im Theatertreff“ bietet ein Diskussionsforum über zeitgenössische Kunst und Künstlern, deren Schaffen über die Region Bambergs hinaus– und wieder zurückstrahlt. Am vergangenen Mittwoch begrüßten Annelie Grimm-Beickert und Dietlinde Schunk-Assenmacher vom Vorstand des Bamberger Kunstvereins den diesjährigen Gewinner des Volker-Hinniger-Preises Richard Wientzek zu seinem Vortrag „Dürer und der Supermarkt“. Seine am 1. Juni zu Ende gegangene Ausstellung „Tagwerk“ in der Villa Dessauer zeigte vor allem sein malerisches Werk. Nun kam Wientzek der Einladung nach, über das zu sprechen, „was nicht an den Wänden hängt“.

Da ist einmal der konkrete Entstehungsprozess seiner Bilder mit all ihren Bezugnahmen auf die Kunst- und Literaturgeschichte. Da sind aber auch die Fundstücke aus dem Internet und vom Straßenrand, Artefakte der Unterhaltungs- und Alltagskultur, die er als gleichwertige „Zutaten“ verwertet. Malt er ein Stilleben, so kann es vorkommen, dass sich der studierte Kunsthistoriker Wientzek an den ikonographischen Vorgaben der alten Niederländer orientiert, übersetzt diese aber in unsere Gegenwart: Als Platzhalter für Reichtum und Eitelkeit dient ihm eine Krawatte; eine Musikkassette wird zum Vanitas-Symbol, ist ihre Zeit als analoges Medium in einer digitalisierten Welt doch abgelaufen.

Wientzeks Vorliebe für die Aufhebung der Grenzen von E- und U-Kultur zeigt sich am deutlichsten in den teils bitterbösen Projekten mit der Wiener Konzeptkunstgruppe „monochrom“. Mal wird eine Ausstellung über die Geschichte der elektronischen Musik im ästhetischen Gewand des Musikantenstadls präsentiert, dann ein ganzer Künstler „Georg Paul Thomann“ erfunden und samt theoretischem Überbau mit dickem Katalog nach Brasilien geschickt, wenn es darum geht, Österreich auf der Kunstbiennale in Sao Paolo zu vertreten. Die obligatorische Video-Installation darf dabei natürlich nicht fehlen.

Tritt Wientzek als Musiker in Erscheinung, kann es in seinen Liedern auch um theoretisch komplexe Fragestellungen der Nibelungenliedforschung gehen. Allerdings präsentiert er seine literaturwissenschaftlichen Fußnoten dann in der verstörenden Gefälligkeit eines volkstümlichen Schlagers. Gerade diese mediale Vielseitigkeit, der interdisziplinäre Ansatz, die internationale Vernetzung sowie die gezielt undeutliche Gradwanderung zwischen Seriosität und ironischer Brechung machen Wientzek zu einem typischen Vertreter seiner Künstlergeneration.

Der rege Besucherzuspruch und die interessierten Detailfragen in der abschließenden Diskussionsrunde bestärken den Kunstverein mit dieser Gesprächsreihe fortzufahren: Als nächster Referent ist Prof. Dr. Wolfgang Brassat (Uni Bamberg) eingeladen, er wird am 2. Juli zum Thema "Ästhetik der Stille - Überlegungen zur Geschichte des kommunikativen Gebrauchs von Kunstwerken" sprechen. Termin vormerken, es lohnt sich!